„Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken.“ Dominique Pire

P. Dominique Georges Pire OP

Das Nobelpreiskomitee verlieh am 10. Dezember 1958 P. Dominique Pire OP „für seinen jahrzehntelangen Einsatz für bedürftige Menschen in aller Welt, insbesondere für im Zweiten Weltkrieg Entwurzelte“ den Friedensnobelpreis. Damit hat es die Weltöffentlichkeit auf die Leistung eines belgischen Dominikaners aufmerksam gemacht.

Der am 10. Februar 1910 im belgischen Dinant geborene George Pire besuchte ein humanistisches Gymnasium und studierte anschließend für zwei Semester Philosophie. 1928 trat er den Dominikanern des La Sarte-Kloster in der Nähe von Huy bei und nahm den Ordensnamen Dominique an. Parallel studierte er weiter und schloss von 1932 bis 1936 ein Studium der Theologie an der Universität Angelicum in Rom an. 1934 wurde er zum Priester geweiht. 1936 erfolgte die Promotion über „Die Infiltration der Lehre der Stoiker in christlichen Schriften des 2. Jahrhunderts“, anschließend studierte er ein weiteres Jahr Sozial- und Politikwissenschaften an der Universität in Löwen in Belgien. Zwischen 1937 bis 1947 lehrte er Moralphilosophie an der Ordensschule des La Sarte-Klosters.

  
Dominique Pire
Georges Pire begründete 1938 zwei Wohltätigkeits-vereinigungen, die sich mit verlassenen und an gefährdeten Plätzen lebenden Kindern, meist Waisenkindern, befassten. Dabei handelte es sich um den “Service d´Entre Aide Familiale“ (“kostenlose Hilfe für Familien in Not“) sowie die “Stations des Pleins Air de Huy“ als Hilfsstationen im Freien. In letzteren wurden vor allem im Zweiten Weltkrieg Kinder aus bombengefährdeten Gebieten Belgiens und Frankreichs aufgenommen. Während des Weltkrieges nahm er selbst beim Widerstand teil und schmuggelte unter anderem Piloten aus dem Land. Teilweise arbeitete er auch für den Geheimdienst.

1949 gründete er die “Aide aux Personnes Déplacées“ (“Hilfe für heimatlose Menschen“), eine Hilfsorganisation, die als Ziel die moralische und finanzielle Hilfe für Vertriebene hatte. Er organisierte auf diese Weise vor allem materielle Hilfe für etwa 60.000 Menschen, die aus ihren Heimatländern verschleppt oder auf andere Weise heimatlos waren und in Flüchtlings-lagern in Österreich lebten. Er organisierte außerdem die Sponsorship-Bewegung, bei der etwa 15.000 heimatlose Kinder von westeuropäischen Familien adoptiert wurden.

Zwischen 1950 und 1954 gründete er vier Heime für alte Flüchtlinge. Die Entstehung der so genannten Europadörfer in Deutschland, Österreich und Belgien hat er zwischen 1955 und 1962 organisiert. Dabei entstand das erste Dorf 1956 bei Aachen, ein weiteres im gleichen Jahr in Bregenz am Bodensee und ein drittes 1957 in Augsburg. Bis 1962 entstanden auf diese Weise sieben Europadörfer. 1958 wurde Pire der Friedensnobelpreis für seine Hilfe der Flüchtlinge zugesprochen. Seine bekannteste Hilfsorganisation ist die „L’Europe du Coeur au Service du Monde“ (Europas Herz für Welthilfe), die er 1959 gründete und die vor allem die Überwindung kultureller Unterschiede zum Ziel hat. Ein Jahr später gründete er in Belgien außerdem das “Mahatma Gandhi International Peace Center“, welches als „Friedensuniversität“ für die Verbesserung der globalen Verständigung dienen sollte und bis heute existiert. 1962 gründete er zudem die erste Friedensinsel im Osten Pakistans, 1967 folgte eine weitere in Indien.

Am 30. Januar 1969 starb Georges Pire im Alter von nur 58 Jahren nach Komplikationen einer Operation im belgischen Leuven. Neben dem Friedensnobelpreis erhielt er zahlreiche weitere Auszeichnungen.

Quelle: D. Pire, Erinnerungen und Gespräche, aufgezeichnet von H. Vehenne, Benziger Verlag Einsiedeln, 1960, 216 S.


Sonnensiedlung Europadorf Hochzoll

Das 1957 in Augsburg gegründete Europadorf “Sonnensiedlung“ besteht heute nur noch in Augsburg-Hochzoll weiter. Dort hat der Verein „Tür an Tür - miteinander wohnen und leben e. V.“ die Aufgabe übernommen, Flüchtlingen ein preisgünstiges Zuhause anzubieten. Mehr als 40 Jahre nach dem Bau mussten die sechs Häuser der Siedlung komplett saniert werden.

„Menschen zu helfen, ist etwas vom Heikelsten und Schwierigsten.“ Dominique Pire