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Mystik ist die Erfahrung einer unmittelbaren Anwesenheit des verborgenen Gottes, die den ganzen Menschen ergreift. Die christliche Spiritualitätsgeschichte ist reich an Frauen und Männern, die solche Erfahrungen gemacht haben. Gerade auch die dominikanische Tradition des Mittelalters kennt viele Gestalten, die mystische Erfahrungen gemacht haben und die diese weitergegeben haben. Neben ganzen Klöstern mit vielen Mystikerinnen, stechen dabei besonders Gestalten wie Caterina von Siena und Margarethe Ebner hervor. Besonders bekannt ist aber die sogenannte „deutsche Mystik“. Ihre prägenden Gestalten waren die Dominikaner Meister Eckhart, Johannes Tauler und Heinrich Seuse, die beide Schüler Eckharts waren. Von allen dreien sind wesentliche Texte zur Vermittlung ihrer Mystik an Schwestern und Laien abgefasst. Mit ihnen verbunden ist auch die Prägung wichtiger mystischer Grundworte wie Abgeschiedenheit, Gelassenheit, die Gottesgeburt im Seelengrund. Den Menschen ihrer Zeit Wege zur Erfahrung dieser Gottesgeburt im Innersten des Menschen, im Grund seiner Seele zu weisen, war ein wesentliches Anliegen dieser Mystiker.

»Gott ist allzeit bereit, wir aber sind sehr unbereit; Gott ist uns „nahe“, wir aber sind ihm fern; Gott ist drinnen, wir aber sind draußen; Gott ist (in uns) daheim, wir aber sind in der Fremde« (Meister Eckhart: Predigt 36).

Wir Dominikaner von heute wissen uns dem Anliegen der großen dominikanischen Mystiker verpflichtet. Deshalb versuchen wir in öffentlichen Vorträgen und Reihen, für unser Leben den tiefen geistlichen Gehalt dieser Wirklichkeit zu vermitteln, die einen Weg zur Erfahrung des "Gott in uns" weisen wollen.