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Freude und Mitleid des Dominikus speisten sich aus einer gemeinsamen Quelle, dem Gebet. Der Kontemplation entstro?mte auch seine Aktion in Predigt, Seelsorge und Einsatz für den Orden. Thomas von Aquin sollte einige Jahrzehnte später für den Predigerorden die Devise formulieren: „Contemplari et contemplata aliis tradere“ (Betrachten und das Betrach- tete den anderen mitteilen). Diese Devise findet ihre Entsprechung im persönlichen Motto des Dominikus: „Cum Deo, vel de Deo loqui“ (mit Gott oder von Gott sprechen). Dieser Leitsatz macht darauf aufmerksam, daß dem Reden über Gott stets das Gespräch mit Gott vorausgehen muß.

„Es war seine feste Gewohnheit, die Nächte im Gebet zu verbringen und bei verschlossener Tür zum Vater zu beten. Bisweilen ließ er beim Beten das Seufzen seines Herzens in Stöhnen und Schreien nach draußen dringen. Er konnte sich dabei nicht zurückhalten, so daß seine Ausbrüche weithin und deutlich zu vernehmen waren. Er richtete aber häufig eine besondere Bitte an Gott, daß er ihm nämlich eine wahre und für das Heil der Menschen wirksame Liebe schenke. Denn er glaubte erst dann ein echtes Glied Christi zu sein, wenn er sich ganz und mit allen Kräften zur Rettung der Seelen einsetze; so wie unser Herr Jesus Christus, der Erlöser aller Menschen, sich ganz für unser Heil hingegeben hat. Mit besonderer Vorliebe las er in einem Buch, das den Titel Collationes Patrum (Unterredungen der Väter) trägt und von allen Lastern, sowie von der Vollkommenheit im geistlichen Leben handelt. Darin forschte er nach den Wegen, die zum Heil führen und auf ihnen bemühte er sich mit ganzer Kraft zu wandeln. Dieses Buch ließ ihn mit Hilfe der Gnade eine außergewöhnliche Reinheit des Gewissens, eine tiefe Einsicht in der Kontemplation, sowie den Gipfel der Vollkommenheit erreichen.“ (Libellus, 13)