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Von Dominikus ist kein zeitgenössisches Bild überliefert, dafür bietet Schwester Cäcilia eine Beschreibung seiner Gestalt. Einen Anhaltspunkt für die Echtheit ihrer Darstellung gibt die Erwähnung des Bartes des Heiligen. In den Jahren 1220–1221, in denen die damals etwa Zwanzigjährige Dominikus zuletzt begegnete, trug er nämlich wirklich einen solchen.

„Er war mittelgroß und zierlich. Sein Gesicht war schön und ein wenig rötlich, seine Haare und sein Bart waren etwas rötlich, er hatte schöne Augen. Auf seiner Stirn und zwischen seinen Augenbrauen erstrahlte ein Glanz, der alle mit Ehrfurcht und Zuneigung erfüllte. Er war stets heiter und fröhlich, außer wenn ihn das Mitleid mit der Not eines Nächsten bewegte. Er hatte lange und schöne Hände, sowie eine kräftige, schöne und wohlklingende Stimme. Er war niemals kahlköpfig, seine Tonsur war rundherum vollständig, nur da und dort von grauen Haaren durchsetzt.“ (Cäcilia, 15)

Auch Jordan beschreibt, wie die freudige Gelassenheit des Dominikus die Menschen anzog:

„Es war eine ganz starke Ausgeglichenheit in seinem Wesen, außer wenn er von Mitleid und Erbarmen erschüttert wurde. Und weil ein fröhliches Herz das Gesicht heiter macht (Spr 15,13), so zeigte er die innere Ausgeglichenheit nach außen durch Güte und heitere Miene. (...) So gewann er sich leicht die Liebe aller. Ohne Schwierigkeit fiel ihm die Zuneigung aller zu, sobald sie ihn nur erblickten. (...) Untertags war niemand im Umgang mit den Brüdern und Gefährten umgänglicher, niemand fröhlicher.“ (Libellus, 103–104)

„Alle Menschen umfing er mit weitherziger Liebe, und da er alle liebte, wurde er von allen geliebt. Sich zu freuen mit den Fröhlichen, zu weinen mit den Weinenden (Röm 12,15) – dieses Wort hatte er sich zu eigen gemacht. Deshalb war er überreich an Güte und ging ganz in der Sorge um die Nächsten und im Mitleid mit den Elenden auf. Besonders beliebt machte ihn auch bei allen, daß er stets geraden Weges ging und ihm niemals, weder in Wort noch Tat, eine Spur von Doppelzüngigkeit oder Falschheit anhaftete.“ (Libellus, 107)

In seinem Mitleid mit den Menschen war Dominikus bereit, bis zum äußersten zu gehen. Petrus Ferrandus berichtet, Dominikus habe sich einmal als Sklave verkaufen wollen, um mit dem Erlös einen Mann von dessen finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Häretikern befreien zu können. Dann fährt Ferrandus fort:

„Eine ähnliche Tat wollte er schon vollbringen, als er noch in seiner Heimat weilte. Eine Frau beklagte näm- lich vor ihm das Schicksal ihres Bruders, den die Sarazenen gefangen hielten. Vom Geist der Barmherzigkeit erfüllt und von innigem Mitleid verwundet, bot er sich selbst als Preis für den Rückkauf des Gefangenen an. Doch der Herr ließ es nicht zu, da er ihn für noch größere Werke der Gerechtigkeit und die Bekehrung vieler Seelen bewahren wollte.“ (Ferrandus, 21)

Johannes von Navarra hatte Dominikus auf dessen Spanienreise beglei- tet. Besonders in Katalonien gab es viele Juden und Moslems:

„Gegenüber Reichen und Armen, Juden und Heiden, von denen es in Spanien viele gibt, zeigte er sich liebenswürdig. Er wurde von allen geliebt, außer von den Häretikern und den Feinden der Kirche, denen er mit seinen Streitgesprächen und Predigten zusetzte und die er zu überzeugen trachtete. Doch auch diese ermahnte er liebevoll, Buße zu tun und sich zum wah- ren Glauben zu bekehren.“ (Akten Bologna, 27)

Bruder Ventura zeichnet ein eindrucksvolles Gesamtbild seiner Persönlichkeit:

„Der selige Bruder Dominikus war weise und besaß Unterscheidungsvermögen. Er war geduldig, gütig, sehr barmherzig, sehr umgänglich und gerecht. Daher glaube ich, daß ich in meinem ganzen Leben unter allen Menschen nie einen von solchen Tugenden getroffen habe, obwohl ich viele gute Menschen und Ordensleute in verschiedenen Ländern kennen gelernt habe." (Akten Bologna, 5)