Marie-Joseph Lagrange
Marie-Joseph Lagrange (Taufname Albert) wurde am 7. März 1855 in
Bourg-en-Bresse (Ain) geboren. Er studierte Rechtswissenschaften, trat
in das Seminar von Saint-Sulpice in Issy ein, entschloss sich jedoch 1879,
in das Noviziat der Dominikaner in Saint Maximin einzutreten. Wegen der
Vertreibung aller Ordensleute aus Frankreich im Jahr 1880 zogen sich viele
Dominikaner nach Spanien zurück. Lagrange studierte deshalb Theologie
in Salamanca.
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| Im ausgehenden 19. Jahrhundert war das Interesse
an Geschichte und Kultur des Nahen Ostens stark gewachsen; neue Erkenntnisse
in diesem Zusammenhang sowie reiche textliche und archäologische
Funde drängten zunehmend auf eine Untersuchung der Querverbindungen
zur Hl. Schrift und der Exegese. Lagrange wurde zunächst an einer
Neukonzeption der biblischen Studien beteiligt, dann sandte ihn der Provinzial
nach Jerusalem, um dort ein Bibelinstitut zu gründen. Unter schwierigsten
Bedingungen konnte im Konvent St. Stefan von Jerusalem 1890 die Ecole
pratique d’Etudes bibliques eröffnet werden. Ein Weggefährte
von P. Lagrange, P. L.-H. Vincent, beschreibt die schwierigen Anfänge:
es fehlte an Räumlichkeiten, Personal, Büchern und Finanzmitteln;
es standen anfänglich nicht mehr als ein Raum, einige Stühle
und eine schwarze Wandtafel zur Verfügung. Dennoch gelang es Lagrange
nach und nach, die Schule zu etablieren. Er wirkte dort von 1890 bis 1914
und von 1918 bis 1935.
Im Jahr 1900 gründete Lagrange die „Revue biblique“ zur Publikation der wissenschaftlichen Ergebnisse der École Biblique. Im Jahr 1903 wurde er Konsultor der päpstlichen Bibelkommission in Rom. Lagrange verfasste zahlreiche Abhandlungen über semitische, orientalische und hellenistische Religionsgeschichte, daneben bedeutende exegetische Werke. Seine größte Bedeutung liegt darin, dass er entscheidend zur Einführung einer historischen wissenschaftlichen Methode in die katholische Exegese beigetragen hat. Maßgeblich war für Lagrange die Enzyklika „Providentissimus Deus“ Papst Leos XIII., der gefordert hatte, den Glauben an das offenbarte Wort zu bewahren und wissenschaftliche Fragestellungen in einer zugleich traditionellen wie fortschrittlichen Exegese anzugehen. In diesem Geist gelang ihm der Brückenschlag zwischen Exegese und den orientalistischen Erkenntnissen und Wissenschaften. Stark umstritten zur Zeit der innerkirchlichen Auseinandersetzungen um den sog. Modernismus, wurden seine Ansichten über die katholische Exegese und die notwendige Einbeziehung anderer wissenschaftlicher Erkenntnisse allmählich angenommen und über Lagrange hinaus weitergeführt. Marie-Joseph Lagrange starb am 10. März 1938 in St. Maximin (Var) im Alter von 83 Jahren. Im November 1967 wurden seine sterblichen Überreste nach Jerusalem überführt und an der Stätte seines Wirkens, in der Kirche des Konvents St. Stefan, beigesetzt. 1988 wurde der Seligsprechungsprozess des Gründers der École Biblique eröffnet. Literatur: Bernard Montagnes, Le Père Lagrange (1855-1938), L’exégèse catholique dans la crise moderniste, Les Éditions du Cerf, Paris 1995 L.-H. Vincent OP, Le Père Lagrange (1855-1938), in : Revue Biblique XLVII (1938), 321-354 (dieser Text online unter: http://www.iveargentina.org/Foro_Exegesis/P_Lagrange/pere-lagrange.htm) F. M. Braun, L’oevre du Père Langrange, 1943 |
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