Friedrich Heinrich Suso Denifle


Friedrich Heinrich Suso Denifle (*16.1.1844, +10.6.1905) trat im September 1861 in Graz als Novize in den Dominikanerorden ein und legte am 5.8.1862 die Gelübde ab. Am 22.6.1866 empfing er die Priesterweihe und wirkte in Graz als Prediger und Beichtvater. Nach der Ausbildung zum Lektor für Philosophie und Theologie lehrte er von 1870-81 als Professor. 1880 wurde er als Generalassistent des Dominikanerordens nach Rom gerufen. Denifle war einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit, der wie kein anderer die mittelalterliche Theologie nach der dogmatischen und historischen Seite beherrschte. Bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiet der späteren deutschen Mystik begründeten seinen Ruhm. 1873 gab er „Das geistliche Leben“, eine Blütenlese aus den deutschen Mystikern heraus; beginnend mit dem Jahr 1880 folgten Editionen der Handschriften Heinrich Seuses. Seine Arbeiten zur Mystik und Scholastik wurden vor allem von dem Münchner Historiker Wilhelm Preger kritisch aufgenommen.
  
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Seit 1883 Unterarchivar im päpstlichen Archiv, befasste sich Denifle mit mittelalterlicher Universitätsgeschichte und wurde aufgrund des 1885 erschienenen Werkes „Die Universitäten des Mittelalters bis 1400" mit der Edition des „Chartularium Universitatis Parisiensis“ beauftragt. Darüber hinaus verfaßte er zahlreiche Einzelstudien, die überwiegend in dem von ihm und dem Jesuiten Franz Ehrle gegründeten „Archiv für Literatur- und Kirchengeschichte des Mittelalters“ (7 Bde., 1885-1900) erschienen. Bekannt ist er durch sein Werk über Martin Luther und das Luthertum. Denifle sind eine Reihe ausgezeichneter Korrekturen zur Weimarer Lutherausgabe zu verdanken. Durch seinen Nachweis des Widerspruchs zwischen älteren und gleichzeitigen Äußerungen Luthers über seine Klosterzeit stellte er der Forschung neu das Problem »Der junge Luther«.

 

Werke:
Das geistl. Leben. Blumenlese aus den Mystikern des 14. Jh.s, 1873 (19086; neu bearb., hrsg. u. eingel. v. Albert Auer, 1936);
Die Dichtungen des Gottesfreundes v. Oberlande, 1880/81;
Gesch. der Univ.en im MA bis z. J. 1400. I, 1885 (blieb unvoll.);
Die päpstl. Regg.bde. des 13. Jh.s, 1886;
Specimina Palaeographica (Einf. in die päpstl. Diplomatik des MA), 1888;
Charlutarium universitatis Parisiensis, 4 Bde., 1889 bis 1897 (gemeinsam mit Chatelain);
Auctarium Charlutarii 2 Bde., 1894-97;
La désolation des églises, monastères, hôpitaux en France vers le milieu du XVe siècle, 2 Bde., 1897 ff.;
Luther u. Luthertum. I, 1904 (1. Hälfte, 19042; 2. Hälfte, hrsg. v. A. M. Wels, 19062); II, hrsg. v. dems., 1909;
Luther in rationalist. u. christl. Beleuchtung (bes. gg. Adolf Harnacks u. Reinhold Seebergs Kritik). 1904; Die abendländ. Schr.ausleger über Röm. 1, 17, 1905; zahlreiche Aufss. in dem v. ihm mit Franz Ehrle hrsg. ALKGMA, 7 Bde., 1885-1900;
Heinrich Seuse, Die dt. Mystiker des 14. Jh.s, Fribourg (Schweiz) 1951.