Yves CongarDer Dominikanerpater Yves Congar op ist einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhundert. Er besitzt ein internationales Renommee. Am 13. April 1904 in Sedan geboren – die Kindheit ist durch den 1. Weltkrieg überschattet – tritt er 1925 in den Dominikanerorden ein. Nach seiner philosophischen und theologischen Ausbildung, er studierte zusammen mit P. Marie-Dominique Chenu, wird er 1931 Professor an der Ordenshochschule Le Saulchoir (zuerst in Belgien, dann in Paris): Sein theologisches Schaffen gilt besonders der Ekklesiologie und der Pneumatologie. Die Theologie der Tübinger Schule des 19.Jh. (besonders J.A. Möhler) hilft ihm zur Ausarbeitung eines dynamischgeschichtlichen Traditionsbegriffs.Ausgehend vom 17. Kap. des Johannesevangeliums erwacht in ihm seine ökumenische Berufung. „ich habe gesagt, dass ich eine ökumenische Berufung empfangen habe, die zugleich eine kirchliche war. Diese Berufung ruhte schon lange Zeit in mir, vielleicht sogar seit meiner Kindheit.“ 1937 lanciert er die theologische Reihe „Unam Sanctam“ (Cerf-Verlag, Paris), die namhafte Autoren zu wichtigen ökumenischen Fragen publizierte. Der erste Band dieser Reihe, von P. Congar selbst verfasst, trägt den Titel „Chrétiens désunis. Principes d’un ‚œcuménisme’ catholique / Getrennte Christen. Prinzipien zu einem katholischen ‚Ökumenismus“. Unterbrochen durch die Teilnahme am 2. Weltkrieg setzt P. Congar sein theologisches Schaffen fort. 1950 publiziert er „Vraie et fausse réforme dans l’Eglise / Wahre und falsche Reform in der Kirche“ und 1953 „Jalons pour une théologie du laicat / Der Laie. Entwurf einer Theologie des Laientums“. Dieses Buch stellt einen Paradigmenwechsel der Rolle der Laien in der katholischen Kirche dar. In seinem Orden und durch die Kurie angegriffen und Beschuldigungen ausgesetzt, muss er – im Umfeld der restaurativen Politik unter dem Pontifikat von Pius XII. – seinen Lehrstuhl aufgeben und wird ins Exil nach Cambridge geschickt. Nach der Wahl von Giuseppe Roncalli zum Papst Johannes XXIII. wird er zum Berater der vorbereitenden Kommission für das ausgerufene Konzil berufen. Auf dem Konzil selbst wird er einer der führenden Köpfe des Konzils. „Ich marschiere, damit die Kirche vorankomme“ schreibt er in seinen Tagebuchaufzeichnungen über seine Arbeit am Konzil. Er ist endgültig rehabilitiert. Er prägt wesentlich die Dokumente Lumen Gentium und Unitatis Redintegratio mit. Seine posthum veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen über die Jahre seiner Diffamierung und des Konzils stellen persönliche Zeugnisse der neueren Kirchen- und Theologiegeschichte dar. Sie gewähren Einblick in seine Ordensberufung, sein priesterliches und theologisches Wirken. Am Ende seines Lebens wird er von Papst Johannes Paul II. 1994 zum Kardinal ernannt, stirbt er am 22. 6. 1995 in Paris. „Sein Geschick zwischen Krankheit und Aufbruch, zwischen historischer Detailarbeit und visionären Hoffnungen gegen jede Wahrscheinlichkiet, zwischen kirchlicher Verurteilung, Berufung zum konzilstheologien und später Erhebung zur Kardinalswürdigkeit: all das lässt ihn gleichsam zu einem Symbol werden, an dem ein guter Teil der Geschichte und der inneren Spannungen der katholischen Kirche im 20.Jh. geradzu biographisch anschaulich werden können“ (P. Neuner). Werkauswahl (in Deutsch) Der Laie, Stuttgart 1956. Das Mysterium des Tempels, Salzburg 1970. Situation und Aufgabe der Theologie heute, Paderborn ²1971. Jesus Christus – unser Mittler, unser Herr, Stuttgart 1967. Die Tradition und die Traditionen, Bd. 1, Mainz 1965. Die Lehre von der Kirche, 2 Bde, Freiburg i.Br. 1971. Der Heilige Geist, Freiburg i. Br. 1982. Autobiografische Schriften Im Geist und im Feuer, Freiburg i. Br. 1987. Herbstgespräche, München 1988. Journal de la guerre, Paris 1997. Journal d’un théologien, 1946-1956, Paris 2000. Mon Journal du concile, 2 Bde, Paris 2002. |
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